Zirkuläres Bauen
Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft

Rund 40 % der Treibhausgas (THG)-Emissionen werden durch den Bau und den Betrieb von Gebäuden und Infrastruktur verursacht. Für einen wirksamen Klimaschutz müssen die THG-Emissionen im Gebäudebereich daher maßgeblich verringert werden. Die Klimaschutzstiftung hat eine Programmlinie Klimaschutz bei Bau, Wohnen und Gebäudenutzung eingerichtet, innerhalb derer zwischen 2022 bis 2024 jährlich Forschungsprogramme aufgelegt werden.

Darum geht es

Das Forschungsprogramm Zirkuläres Bauen: Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft richtet sich an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg. Vier Forschungsvorhaben wurden von einem Gremium aus Gutachterinnen und Gutachtern ausgewählt und werden im Programmverlauf anwendungsbezogenes Wissen über zirkuläre Bauweisen und ihre Rahmenbedingungen erarbeiten. Die Projekte starten im Sommer 2024 und sind auf zwei Jahre angelegt.

Wenn es gelingt, den Einsatz von neuen Materialien, Ressourcen und Rohstoffen insgesamt zu verringern und diese gleichzeitig länger als bisher in der Nutzung zu halten, kann der Bausektor einen deutlichen Klimaschutzbeitrag leisten. Eine ambitionierte zirkuläre Wirtschaft berücksichtigt dabei alle Materialflüsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Design bis zur Wiederaufbereitung. Die ausgewählten Projekte befassen sich u.a. mit Möglichkeiten, Holzabfälle mithilfe von KI-basierten Technologien zu Bauteilen weiterzuverarbeiten, mit der Entwicklung innovativer organischer Materialien und dem Potenzial von öffentlichen Gebäuden als Rohstofflager im Großraum Freiburg.

Für Herbst 2024 ist das programmweite Auftakttreffen zur Vernetzung der Teilnehmenden geplant.

Kurzbeschreibung der geförderten Projekte

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Nachhaltige Technische Systeme (INATECH)

In dem Forschungsprojekt wird die örtliche und zeitliche Verfügbarkeit von Baustoffen und Bauteilen als Schlüssel für die Planung von zirkulären Gebäuden ermittelt. Ziel des Vorhabens ist es, Umsetzbarkeit und Grenzen von zirkulärem Bauen im Bereich öffentlicher Gebäude für den Großraum Freiburg aufzuzeigen und anhand eines Universitätsgebäudes zu prüfen. Begleitet wird das Vorhaben von einem Bauunternehmen und dem Landesamt Vermögen und Bau.

Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP)

Das Projekt entwickelt das neue Material „NEWood“. Dafür werden ausschließlich Holzverarbeitungsreste, landwirtschaftliche Abfällen und Pilzmyzel verwendet und dabei Kohlenstoff gebunden. Anhand von 1:1-Modellen wird die Vielseitigkeit des Materials für Innenwandsysteme und Möbelkomponenten demonstriert und kann zukünftig beispielsweise den Gebrauch gepresster Spanplatten ersetzen.

Karlsruher Institut für Technologie, Digital Design and Fabrication (DDF)

Ziel des Projekts ist es, digitale Bautechnologie für einen sparsamen Umgang mit der Ressource Holz einzusetzen. Hierbei soll Ausschussmaterial aus der Produktion von Holzbauteilen in Holz-Lehm-Verbundteile eingefügt werden. Ein Praxispartner begleitet die Erforschung der notwendigen KI-basierten Planungsverfahren sowie robotische Fertigungs- und Fügetechniken. Es wird ein Prototyp einer Restholz-Lehm-Verbunddecke im baulichen Maßstab 1:1 realisiert, der im Anschluss bauakustisch untersucht und statisch geprüft wird.

Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

Das Forschungsvorhaben zielt auf die Erarbeitung eines Verfahrens zur Bewertung, zur Aufbereitung und zur Wiederverwendung von Altholz aus dem Rückbau ab. Unterstützt wird das Projekt von einem Holzbauunternehmen. Das zu entwickelnde Verfahren ist auf kleine und mittlere Unternehmen mit handwerklicher Struktur ausgerichtet. Im Rahmen des Projekts entsteht ein Praxishandbuch zur Aufarbeitung von Gebrauchtholz in Zimmereibetrieben.

 

Kontakt

Irene Purschke, Referentin Forschung bei der Baden-Württemberg Stiftung.

Irene Purschke
Referentin Klimaschutzstiftung
Tel +49 (0) 711 248 476-69
purschke@bwstiftung.de