Ideenwettbewerb
Forschung für nachhaltiges Bauen

Rund 40 % der Treibhausgas (THG)-Emissionen werden durch den Bau und den Betrieb von Gebäuden und Infrastruktur verursacht. Für einen wirksamen Klimaschutz müssen die THG-Emissionen im Gebäudebereich daher maßgeblich verringert werden. Die Klimaschutzstiftung hat eine Programmlinie Klimaschutz bei Bau, Wohnen und Gebäudenutzung eingerichtet, innerhalb derer zwischen 2022 bis 2026 jährlich Forschungsprogramme aufgelegt werden.

Darum geht es

Der Ideenwettbewerb dient dazu, innovativen und risikobehafteten Forschungsideen die Möglichkeit zur konkreten Erprobung zu bieten. Er eröffnet damit die Möglichkeit, im Bereich des nachhaltigen, klimagerechten Bauens neue und ungewöhnliche Forschungsansätze zu testen. Dazu gehören sowohl Ansätze und Methoden zur Treibhausgasreduzierung bei (Neu-)bau und Sanierung als auch zu klimaangepasstem Bauen und Sanieren.

Die acht Forschungsprojekte sind Anfang 2026 gestartet. Sie haben eine Laufzeit von 12 Monaten und werden jeweils mit bis 100.000 Euro gefördert. Weitere Informationen zu den Projekten können Sie der folgenden Übersicht entnehmen.

Liste der geförderten Projekte

TH Mannheim, CeMOS

Projektleiter: Prof. Dr. Matthias Rädle

Das Projekt zielt auf die Entwicklung eines biobasierten Dämmstoffs, der aus industriellen Naturfaserabfällen wie z. B. Maisrückständen hergestellt wird. Es soll ein technischer Schaum entwickelt werden, der vollständig recycelbar oder kompostierbar ist, die baustofftechnischen Randbedingungen erfüllt und synthetische Materialien wie Polystyrol (EPS) oder Polyurethan (PUR) in der Gebäudedämmung ersetzen soll.

TH Mannheim, CeMOS

Projektleiter Prof. Dr. Julian Reichwald

Das Projekt zielt auf die Entwicklung einer Augmented-Reality-Anwendung (AR-App) ab, die bei der Gestaltung klimaresilienter Gebäude und Stadtstrukturen unterstützt. Im Mittelpunkt steht die intuitive Visualisierung klimarelevanter Einflüsse wie Sonneneinstrahlung, Regenwasserverteilung und Windverhalten mithilfe von Smartphone oder Tablet direkt auf den jeweiligen Gebäuden.

Karlsruher Institut für Technologie, DDF

Projektleiter: Prof. Moritz Dörstelmann

Das Projekt erforscht Bautechnologien für Geschossdeckenbauteile aus Gradientenlehm. Ziel ist es, ein nachhaltiges und skalierbares Bausystem aus rezyklierbaren und nachwachsenden Materialien zu etablieren, das mit niedrigem Energieaufwand zu verarbeiten ist. Im Fokus stehen digitale Bautechnologien, die den computerbasierten Entwurf und die robotische Vorfertigung von Deckenbauteilen ermöglichen.

Universität Stuttgart, ITKE

Projektleiter: Fabian Eidner

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Kl-gestützten digitalen Zwillings für adaptive Gebäudehüllen. Adaptive Gebäudehüllen tragen wesentlich zur Energiebilanz eines Gebäudes bei und beeinflussen maßgeblich den thermischen Innenraumkomfort. Energieeinsparungen sollen erzielt werden, indem ein adaptives Fassadensystem mit einem intelligenten Steuerungssystem kombiniert wird.

Universität Stuttgart, IBK2

Projektleiter: Prof. Martin Ostermann

Das Projekt verfolgt das Ziel, die einzigartigen Formgebungseigenschaften von textilverstärkten Dämmplatten auf Myzelbasis für den Einsatz in Membranbauweisen nutzbar zu machen. Damit soll die Membrankonstruktion als ressourceneffiziente Leichtbauweise gestärkt werden, um nachhaltigere Architekturkonzepte zu verwirklichen.

Universität Stuttgart, ILEK

Projektleiterin: Dr.-Ing. Daria Kovaleva

In dem Projekt soll die technische Machbarkeit der Umwandlung von Leichtbaukonstruktionen in Kohlenstoffsenken mit einer CO₂-Bilanz unter null untersucht werden. Dies soll durch Carbonatisierung von Beton aus elektrochemischem Zement möglich werden. Die elektrochemische Zementherstellung ist eine neue Technologie, die elektrochemische Prozesse nutzt, um Rohstoffe wie Kalkstein in Zementkomponenten wie Calciumhydroxid umzuwandeln.

Universität Stuttgart, ICD

Projektleiter: Prof. Achim Menges

Das Projekt entwickelt ein leichtes und modulares Mehrfelddeckensystem aus Naturfaserverbundwerkstoffen, das für die Umnutzung und Sanierung bestehender Gebäude konzipiert ist. Es ist die Kombination eines konstruktiv effizienten Mehrfeldprinzips aus Naturfasermaterialien vorgesehen, die aus Faserverbund- und Plattenelementen bestehen. Dadurch entstehen tragfähige, flexible und reversibel montierbare Deckensysteme, die auch größere Spannweiten ermöglichen.

Universität Stuttgart, IABP

Projektleiter: Simon Weber

Im Rahmen des Projekts sollen adaptive Fassadensysteme hinsichtlich Ihrer möglichen Beiträge u. a. zur Regulierung des Wärme- und Feuchtetransports, solarthermischen Gewinnen und Tageslichtkomfortniveaus untersucht werden. Dazu soll der Demonstrator eines adaptiven Verschattungselements mit integrierter Photovoltaik und KI-gestützter Betriebsführung aufgebaut werden.

 

Projektträger

Dr. Joachim Fröhlingsdorf
VDI Technologiezentrum GmbH
Tel +49 211 / 6214-508